"Winterblues" und saisonal abhängige Depression (SAD)

Studien zufolge fühlt sich fast jeder zweite Mensch in der "dunklen Jahreszeit" müder und antriebsloser als sonst. Sind die Symptome ausgeprägt, evt. auch von ernsten depressiven Stimmungen begleitet und treten sie mindestens an zwei aufeinander folgenden Jahren auf, sind die Kriterien für die Diagnose einer "saisonal abhängigen Depression (SAD)" erfüllt. In etwa 10%  ist dies der Fall. Der Volksmund spricht vom "Winterblues".

Ursache der Antriebsarmut und der depressiven Verstimmungen ist der herbst- und winterliche Mangel an direktem Sonnenlicht, welcher eine Umstellung des Stoffwechsels der körpereigenen Botenstoffe Melatonin und Serotonin zur Folge hat. Während unter Lichteinfluss die Produktion des sogenannten "Glückshormons" Serotonin gesteigert und die seines physiologischen Gegenspielers, des "Schlafhormons" Melatonin, vermindert ist, kehren sich bei Lichtmangel die Verhältnisse um: Die Zirbeldrüse im Gehirn produziert nun vemehrt Melatonin, welches beim Abbau von Serotonin entsteht, dessen Menge und Aktivität entsprechend sinkt.
Serotoninmangel bewirkt depressive Verstimmungen und Ängstlichkeit, ferner eine Verminderung des Antriebs. Viele Betroffene leiden zudem unter charakteristischem Heisshunger auf "Süsses" bzw. Kohlenhydrate. Der Körper verlangt danach, um daraus die Baustoffe für eine kompensatorische Neusynthese von Serotonin zu gewinnen.
Die gesteigerte Melatonin-Aktivität bewirkt Müdigkeit und ein vermehrtes Schlafbedürfnis, die Stoffwechselaktivitäten werden insgesamt verlangsamt. Zur Zeit der Höhlenmenschen bereitete Melatonin sinnvoll auf den Winterschlaf vor, in der modernen Arbeitswelt erfreut sich dieser Mechanismus geringerer Beliebtheit…

Was kann man tun?

Das wirksamste und deshalb wichtigste Heilmittel zur Behandlung der saisonal abhängigen Depression (SAD) resp. des "Winterblues" ist – Licht! Wirksam ist nur Sonnenlicht oder sonnenähnliches Licht, welches direkt über die Netzhaut der Augen einfällt. Beim Urlaub im Süden sind naturgemäss beide Kriterien erfüllt, weshalb eine regelmässige "Flucht" in die Sonne oder z. B. auch der Erwerb eines Ferienhäuschens auf der Südhalbkugel als ernstgemeinte therapeutische Empfehlungen zu betrachten sind. Wer diese Möglichkeit nicht hat, kann sich behelfen mit Vollspektrumlampen oder speziellen medizinischen Lampen mit einer Helligkeit von 3000-4000 Lux. Bei Vorlage eines spezialärztlichen Attests beteiligen sich einige Krankenkassen an den Kosten.

Regelmässige Bewegung, insbesondere an der frischen Luft hat einen nachgewiesenen antidepressiven Effekt. Antidepressiv wirken auch tryptophanhaltige Lebensmittel wie Feigen, Datteln oder Bananen, weil Tryptophan zur Bildung von Serotonin benötigt wird. Fischarten und Pflanzenölsorten  mit hohem Anteil an Omega-3-Fettsäuren blockieren bestimmte Botenstoffe des Zellwachstums (sogenannte Zytokine) und tragen damit zur besseren Stimmung bei. Empfehlenswert ist auch die zusätzliche Gabe von B-Vitaminen (z. B. in Hefe) und insbesondere Vitamin D (in Fisch, oder auch durch den Arzt). Vitamin D steigert die Aktivität von Serotonin und wird vom Körper selber nur  in Anwesenheit von Sonnenlicht gebildet.
Auch Gewürze können zur besseren Stimmung beitragen. Besonders hervorzuheben sind hier Ingwer mit seiner anregenden Schärfe und die Vanille, deren Geruch die Aktivität von Serotonin stimuliert.

Während sich die gewöhnliche Wintermüdigkeit in der Regel nach spätestens 4 Wochen zurückbildet und in der leichten Variante keiner spezifischen Massnahmen bedarf, ist die echte Winterdepression mit den o. g. Kriterien ernst zu nehmen und sollte unbedingt ärztlich abgeklärt bzw. bestätigt und dann auch behandelt werden. Es gibt auch Verläufe mit Suizidalität. Bei fachgerechter Diagnose und Therapie ist die Prognose günstig.

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